Der drapierte Torso zeigt qualvoll überstreckte Schultern, während der unter dem langen Hemd verborgene Leib als zerklüftete Guss-Oberfläche erscheint, die am Hals in einer offenen Guss-Wunde ausläuft. Der kopflose Rumpf steht am Ende der Dauerausstellung im Dunstkreis des sächsischen Exodus und weckt Assoziationen von Endgültigkeit. Hoffnung entsteht durch den Verweis auf den Auferstandenen, auf den Leib Christi, auf die Gemeinschaft der Heiligen.
Der vielseitige Künstler Peter Jacobi, geboren 1935 in Ploieşti, wurde nach dem Abschluss der Kunstakademie in Bukarest als Kunstlehrer nach Craiova zugeteilt. Im nahen Târgu Jiu lernte der Künstler das Skulpturen-Ensemble des berühmten Constantin Brâncuşi kennen. Die Volkskunst Olteniens inspirierte einige seiner frühen Werke. Anlässlich der Schenkung des Bronzegusses an das Landeskirchliche Museum 2013 schreibt der seit 1970 in Deutschland lebende Peter Jacobi zur Entstehungsgeschichte des Torsos Folgendes:
„Die Skulptur ist in der kommunistischen Zeit in Rumänien entstanden. Ausgegangen bin ich von einfachen geschnitzten biblischen Szenen auf Bauernkreuzen. (…) Den Zyklus der Studien für eine Kreuzigungsskulptur habe ich noch in den 1960er Jahren in Rumänien begonnen, auch als Opposition zu der kommunistischen Kunstideologie. Danach habe ich immer wieder an dieser Werkgruppe gearbeitet bis dann 2010 der Bronzeguss erfolgte.“
